Magie

Abhandlung über die Magie in Porzhia
 
 
Wenn man über die Magie in Porzhia berichten möchte, dann sollte man weit in die Vergangenheit blicken. Die Magie ist mit dem Lande verwoben und wurde dereinst von den Feen hierher gebracht. Als die Elfen und Zwerge erschienen, verschwanden die Feen in die Zauberlande, das Schattenreich, Spiegelkönigreich, die Geisterwelt und was es noch alles für sonderbare Namen im Laufe der Zeit bekam. Auch die Magie wurde daraufhin schwächer, doch ganz erlosch sie nie.

Die Elfen waren scheinbar durch Verwandtschaftsgrade mit den Feen verbunden und meisterten daher die Zauberei ohne größere Probleme. Die Zwerge verabscheuten die arkanen Künste und nur wenige der ihren, beschäftigen sich damit.

Und dann kamen die Menschen. Manche Menschen empfingen das Geschenk der Zauberei. Die einen, lasen weise Schriftrollen und Zauberbücher und eigneten sich so diese mystische Kunst an, andere hatten eine natürliche Begabung und beherrschten jedoch nur die wilden und naturellen Aspekte der Hohen Kunst. Die Menschen waren sehr erfreut über dies Feengeschenk, jedoch meisterten sie nur einfachste Zauberei.

Um so mehr die Menschen die Hohe Kunst studierten, um so schneller bemerkten sie, dass es wohl am sinnvollsten ist, immer mit ein wenig Geschenken der Elemente zu zaubern. Wollte man zum Beispiel ein warmes Kaminfeuer entzünden, viel dies bei weitem einfacher, wenn man eine Kerze dabei hatte, die vor sich hin brannte. Wollte man das Feld mit Regen bewässern, war eine Schale mit frischem Quellwasser eine gute Hilfe und so fort.

Doch nach einiger Zeit bemerkten die Menschen Porzhias, dass die Magie ihren Preis hatte. Für jeden Zauber den einer wob, musste er einen Tribut an die Feen zahlen. Um so mächtiger die Zauber, um so höher war dieser Tribut. Wollte man zB einen Regenschauer beschwören, so konnte es einem passieren, dass man am nächsten Tag in einen See fiel. Nach einigen Monaten erkannten die Menschen, dass sie, wenn sie wahrlich mächtigere Zauber sprachen, zuweilen Besuch von den Feen erhielten. Diese gingen mit dem Zauberer einen Pakt ein, der jedoch immer den Magier in eine prekäre Lage brachte. Und das alles wohlgemerkt nur bei unterstützenden Zaubern.

Als eine Horde Trolle aus den Bergen in Richtung Sterdu marschierten, bat die hiesige Bevölkerung die Magiekundigen darum, dass sie ihnen gegen diese Kreaturen helfen sollten. Die Magier schlossen sich zusammen und entsannen den Plan, die Trolle in Dornen und Unterholz gefangen zu nehmen und dann mit einer Feuersbrunst zu vernichten. Sie woben die Zauber und einem jeden der Magier erschien eine Fee. Die Überirdischen, wie sie von manchen Gelehrten genannt wurden, boten den Zauberern ihre Hilfe an, jedoch mussten sie alle versprechen, dass der Erstgeborene ihrer Familien den Feen für ein Jahr zu diensten sein musste. Die Magier erkannten leider nicht die Finte und willigten ein. Die Horde von Trollen marschierte am Wald entlang auf das Dorf zu und es schien urplötzlich, als sei der Wald zum Leben erwacht und griff mit allem was er hatte nach den Ungetümen. Als die boshaften Wesen dort gefangen waren, begann es vom Himmel her zu glühen und ein mächtiger Flammenstrahl stieß mitten in die Trollherde herab, welche sofort verkohlt waren. Die Bevölkerung war hellauf begeistert und die Magier brachen alle bewusstlos zusammen. Dies war ihnen bereits bekannt, denn um so mächtiger die gewobenen Zauber waren, um so mehr innere Kraft wurde dem Anwender entzogen, bis hin zur völligen Bewusstlosigkeit. Niemand dachte mehr an die Abmachungen mit den Feen. Die Zeit strich ins Lande und als der Bruder des ersten Magiers der Belagerung, voller Vorfreude auf die Geburt seines Kindes war, geschah es, dass die Mutter verstarb und das was als Kind hätte geboren werden soll, war eine Mischung aus Mensch und Tier, welches nur einen Schrei von sich geben konnte und dann verstarb. Der Magier hörte von diesem Schrecken und beschwor die Feen um sie zu fragen, was dies solle. Es erschien eine hochgewachsene, lichte Gestalt und fragte mit sanfter Stimme nach den Begehren. Der Zauberer war erbost und beschimpfte das Wesen. “Der erstgeborene meiner Familie sollte euch zu Diensten sein! Nicht der Erstgeborene meines Bruders und noch dazu, wo ist eine Verunstaltung und ein Tod eine Diensttätigkeit?!” fragte er. Die Fee lächelte mit einem boshaften Grinsen und meinte daraufhin, dass niemals die Rede davon war, dass es speziell nur aus dem Blute des Magiers war, sondern seiner gesamten Familie. Außerdem erklärte die Fee, dass das Kind in ihrem Reich war und dort dienen musste. Das Jahr hatte noch nicht einmal begonnen, war es doch, laut der Fee, erst ein paar Augenblicke her, dass die Menschen überhaupt auf diese Welt kamen. Der Magier begann zu verstehen, dass sie alle betrogen waren und rief zu einer Versammlung der Magiekundigen aus. Sie alle trafen sich just an dem Platz, wo sie die Trolle zurück geschlagen hatten. Stundenlang wurde debattiert und es kam nun ans Tageslicht, dass solche Vorkommnisse in jeder Familie vorkamen.

Es wurde beschlossen, dass nie wieder Magie angewandt werden sollte, die anderen Lebewesen tödlichen Schaden zufügen sollte, denn dies würde alles auf die Anwender zurückgeworfen werden. Außerdem vereinbarte man, dass zwar theoretische Abhandlungen über das Thema Magie verfasst werden konnten, jedoch die praktische Magie auf ein Minimum reduziert werden sollte. Die Versammlung ging nach etlichen Tagen der Besprechung auseinander und trotz der Warnungen, versuchten immer wieder verschiedene Magier, die Macht der Feen herauszufordern. Viele von ihnen verschwanden und ihre Behausungen galten fortan als verhext und als Spukorte. Die Zeit ging ins Lande und eines Tages beschlossen einige Magier, sich dem Feind zu stellen und einen Angriff ins Feenreich zu wagen. Sie sammelten über die Monate die verschiedensten Aufzeichnungen über die Magie und suchten den Platz, von dem aus man am besten zaubern konnte. In Morlyn wurden sie fündig und es wurden alle erdenkbaren Schutzmaßnahmen ergriffen. Immer wieder wurden die Portalzauber gesprochen, doch nichts geschah.  Als die Kerzen erloschen waren, stolperte einer der Magier vor Schreck und fiel in den See, um den herum sie versammelt waren. Die anderen Magier spürten eine Erschütterung im magischen Gewebe und jeder blickte erstaunt auf das Gewässer. Doch der Tollpatsch tauchte nicht auf. Ein anderer Magier sprang in den See um seinen Freund herauszuholen, jedoch tauchte auch dieser nicht mehr auf. Da dämmerte es den Magiern und einer nach dem anderen stürzten sie sich ins Wasser. Es wurde bitterkalt und sie sahen sich alle in einer anderen Welt wieder.

Prächtige Bauwerke erhoben sich und überall funkelte und glitzerte es. Gar seltsame Wesen konnten sie sehen und die dreizehn Magier sammelten sich und blickten sich gegenseitig an. Sie zogen ihre Roben und Mäntel enger um sich um der Kälte zu widerstehen. Langsam und vorsichtig schritten sie in Richtung des größten Gebäudes, vermuteten sie dort den Sitz des Feenkönigs. Als sie am Eingang ankamen, wurde das Tor auf mysteriöse Weise geöffnet und sie gingen weiter und weiter, bis sie schließlich sich in einem großen Ballsaal wieder fanden. Dort tanzten die schönsten und edelsten Wesen, die sie jemals erblickt hatten und es wurden die verschiedensten Speisen und Getränke angereicht.

Einer der Dreizehn nahm einen güldenen Pokal der ihm gebracht wurde und trank einen kräftigen Schluck daraus. Als er dem Diener den Pokal wieder geben wollte, blickte er in traurigen Augen eines Menschenburschen, der ihn an sich selbst erinnerte. Sollte das sein Sohn sein, der vor ein paar Wochen hätte geboren werden sollen? Ehe er sich versah, verschwand das Bild vor seinen Augen und er saß in einem schattigen Gewölbe, eingesperrt und nur die Schreie anderer vernehmend. Die anderen Magier sahen ihren Gefährten einfach nicht mehr. Er war verschwunden, nachdem er den Pokal wieder auf das Tablett gestellt hatte. Alles ging auf einmal rasend schnell. Die Tänzer blickten alle auf die Magier und statt der schönen und hellen Gesichter und Gestalten, blickten die Magier in widerliche Fratzen von Schattengestalten, welche selbst dem hartgesottensten unter ihnen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Einer nach dem anderen wurden die Magier in Stücke gerissen und der Boden färbte sich blutrot. Nur ein einziger der Dreizehn stand am Schluss noch im Ballsaal. Es trat eine Gestalt vor ihn, die so viel Macht inne hatte, dass der Magier unwillkürlich sich auf die Knie fallen ließ. “Du wirst mein Bote sein!” sprach der Feenkönig mit donnernder Stimme.

Ungefähr ein halbes Jahr nach der Versammlung in Morlyn lag am Rand des Sees ein alter Mann mit zerzaustem Haare und langem Bart.  Er nannte sich Myrudin und einige der Bewohner wussten, dass er einer der Dreizehn war, auch wenn er damals gerade mal erst 25 Jahre alt war. Mit wirren Zungen sprach er und riet allen davon ab, sich mit Feuer das erloschen war, zu sehr nahe an spiegelnde Flächen zu begeben. Er wurde gepflegt und erzählte immer wieder von tanzenden Lichtern die schöner und schrecklicher als alles andere waren. Eines Tages, als eine Heilerin nach dem Greisen sehen wollte, ward er verschwunden. Seitdem wird immer wieder von einer wirren Gestalt gesprochen, die auftaucht, bevor große Magie gewirkt wird und die Zauberer vor dem Übel warnt. So sollte also angemerkt sein, dass geringe Magie durchaus genutzt werden kann, doch früher oder später wird jeder den Preis dafür zahlen. Gerüchte besagen, dass man durch Spiegel oder spiegelnde Wasserflächen ins Reich der Feen reisen kann und ganz wagemutige nutzen diese Feenwege, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Wie hoch der Zollpreis dafür ist, ist jedoch nicht bekannt.

Alles in allem werden in Porzhia aus diesen Gründen nur wenige Magieanwender zu sehen sein und auch Magiekundige aus anderen Ländern unterliegen diesem Phänomen. Magier, die anderen den Tod durch Magie brachten, gelten sehr oft als verschollen und wurden nicht mehr gesehen. Die Anwender des naturellem Zweiges der Magie werden oft beobachtet, dass sie etwas pflanzliches oder tierisches vor dem Zaubern opfern und sollten die Gerüchte stimmen, besänftigen sie damit die Feen. Der eher theoretische Zweig versucht die Magie nur dann auszuüben, wenn sie genügend Schutzvorkehrungen getroffen haben und ab einer gewissen Macht, die einem Zauber innewohnt, kann man Gift drauf nehmen, dass eine Fee erscheinen wird, die meist nur von dem Zaubernden zu sehen ist und ein Unterpfand verlangt. Gerade die Magietheoretiker sinnieren seit Jahrzehnten darüber nach, wie sie Herr über das Feenproblem werden können. Sollten die neusten Gerüchte stimmen, wird es, wenn die Zeichen richtig stehen und der passende Spruch gefunden wurde, die Inkarnation der Magie geben, welche sich als der Rabenkönig entpuppen wird und den Menschen dabei helfen soll, die Feen zu unterjochen. Doch sind das alles bisher nur Gerüchte die von alten und verwirrten Greisen gesprochen wurden…